Montag, 20. Juli 2009

Vom „Ich“ zum „Wir“

Wir fragen uns oft, wie man so schnell vom „Ich“ zum „Wir“ wird. Prinzipien werden über Bord geworfen, Freunde vergessen - alles nur noch gemeinsam. Klar, einerseits ist die Zweisamkeit etwas schönes, anderseits ist heute die Zeit nicht etwas zu schnelllebig? Der erste Chat, der zweite Chat, die erste Verabredung folgt und auch der erste Sex ist schnell geschehen. Plötzlich wurde aus dem „Ich“ ein „Wir“. „Ich bin allein, ich lebe auf dem Land, ich mag gerne italienisches Essen“, nun heißt es „Wir sind zusammen, wir leben auf dem Land, wir mögen gern italienisches Essen“. Kaum stecken wir in einer - wir möchten es mal „Beziehung“ nennen - oder in einer neuen „Lebensphase“, so verdoppelt sich plötzlich alles. Wir machen nur noch alles gemeinsam.Wir können nicht ohne den Anderen. Ist es die Angst etwas zu verpassen oder die Freunde etwas zu haben? Etwas neues, etwas schönes, was andere nicht haben. Müssen wir unseren Freunden nun immer und ständig das „Wir“ auf die Nase binden? Uns nicht mehr melden und wenn wir gefragt werden, sagen „Wir waren unterwegs, bei neuen Freunden“. Ständig durch die rosarote Brille schauend, bis zum erbrechen unseres einst geliebten Gegenübers, von unserem neuen Lover zu schwärmen, plänkeln wir immer das selbe vor uns hin. Verletzten wir nicht unsere bislang treuen Wegbegleiter? Die Menschen, auf die es in unserem Leben bislang ankam. Die Leute, die zu uns standen als wir allein, heulend auf dem Sofa saßen und Pretty Women angeschaut haben, keuchend vor Herzschmerz. Vielleicht stellt man sich viel zu wenig die Frage „Wer ist mir wichtig?“. Ist es die Beständigkeit, die Nähe und das Wissen gebraucht zu werden oder nur die partielle Lust mit dem Lebensabschnittsgefährten obwohl wir nicht wissen, was in einer Woche sein wird. Ist es nicht die Zuversicht, dass sie da sind - unsere Freunde - die es uns erlaubt haben uns fallen zu lassen und uns geborgen zu fühlen? Diese Art von „Wir“ ist doch auch schön, vielleicht schöner als die ungewisse Art, mit der wir uns erst ein paar Mal trafen. Sehnsuchtsvolle Momente im Schlafzimmer verbrachten und doch immer wieder morgens mit der Angst aufwachen, nicht zu wissen ob er wiederkommt - der neue Mensch „Wir“. 01.10.2008
Björn Holste , Kaisheim
www.single-time.net

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